1. Diga Diga Doo (Fields / McHugh)
(Fritz Trippel’s Swiss Sounds: Francis Bonjour, tp, Fred de Coulon, tb, Jean-Paul Augsburger, cl, Fritz Trippel, p) (1958)
2. I’m Coming Virginia (Cook Heyward)
(Albert Nicholas, cl, Fritz Trippel, p, Rolf Cizmek, b, Henry Owen, dr)
Von der LP « The Soul of Albert Nicholas » (1960)
3. Keepin‘ out of Mischief now (Thomas „Fats“ Waller)
4. Moten Swing (Basie – Durham – Moten)
(Tremble Kids: Peter Lang, tp, Walter Leibundgut, tb, Werner "Wieni" Keller, cl, Fritz Trippel, p, Rolf Cizmek, b, Charly Antolini, dr)
Von der LP „Cocktail-Party mit den Tremble Kids“ (1961)
5. C.C. Rider (Trad. / Arr. Pepe Long)
(K & K Dixielanders: Oscar Klein, tp, co, Roy Crimmins, tb, voc, Werner "Wieni" Keller, cl, Fritz Trippel, p, Isla Eckinger, b, Rolf Rebmann, dr)
Von der LP „New Orleans Function“ (1974)
 

Fritz "Little Fritz" Trippel, * Chur, 10.12.1937, † 24.07.2010

Archivdaten von Fritz Trippel >>>

Piano

«Elvis war überrascht, dass ich so gut Englisch konnte»

Er hat die Musikszene von Chur geprägt: Fritz Trippel, Jazz-Pianist unterschiedlichster Stilrichtungen und (nicht nur) Churer Jazz-Legende zu Lebzeiten. Bei einem Smalltalk im Café Merz – wo durch den von ihm initiierten und vor drei Jahren gegründeten Verein «The Second Line» regelmässig Jazzkonzerte veranstaltet werden – hat der 66-jährige Churer über Engagements geplaudert und sich an lange zurückliegende Begegnungen erinnert.

Fritz Trippel, wie geht es Ihnen?

«Ganz gut, danke. Die Herausgabe der vier CD’s über 60 Jahre Jazz in Chur hat sich zwar wegen Krankheit verzögert. Dank Vorarbeiten von den zwei Churer Ur-Jazzern Toni Schädler und Werner Tester ist es eine gute Sache geworden und macht Musik-Kultur von Chur unvergessen und jederzeit hörbar. Jetzt konzentriere ich mich wieder auf meine Engagements. An vier Abenden pro Woche spiele ich im Al Torchio in Ascona. Die Ambiance dort ist wie in Klubs in New Orleans – heiss und rhythmisch, im Gegensatz zu vielen Lokalen in der Deutschschweiz. Und schon seit Jahren unterhalte ich jeweils sonntags die Gäste im Hotel Waldhaus am See in St. Moritz beim Apéro und Nachtessen. Die restlichen Abende spiele ich an unterschiedlichsten Privatanlässen, an Partys, Hochzeiten, Geburtstagen, manchmal allein, manchmal mit Muja am Schlagzeug. Und jahraus, jahrein übe ich tagtäglich mindestens zwei Stunden am Instrument und halte mich musikalisch fit für das Klavierentertainment. Das zieht sich als roter Faden durch mein Musikerleben und hat seinen Ursprung 1942, als ich als Fünfjähriger mit dem Klavierunterricht begann und dabei meinen Beruf und meine Passion fand.

Mit sechzehn war ich Bar-Pianist in der Franziskaner-Bar in Chur und nahm Unterricht bei Joe Turner in Zürich. Mit zwanzig war ich dort Mitbegründer der Oldtime Jazzband Harlem Ramblers, die es heute noch gibt. Wir tourten durch ganz Europa. Dazwischen erhielt ich Engagements als Solopianist.

Zum Beispiel im Frankfurter Storyville. Es war der 8. Januar 1960, als mich der Besitzer, ein Mister Marshall, ans Klavier in den Saal im oberen Stock schickte, wo eine amerikanische Gesellschaft den Geburtstag eines sympathischen 25-Jährigen feierte. Dieser kam mir sehr, sehr bekannt vor. Und als er mich dann fragte, could you possibly play „Muss i denn zum Stedtele hinaus?“ war alles klar. Ich weiss noch, wir haben das Stück vierhändig in D-Dur gespielt, Elvis hat gesungen. Dann gaben wir noch Blues- und Boogie-Sessions, wir haben geplaudert und Elvis war überrascht, dass ich so gut Englisch konnte.

In den einschlägigen Jazz-Lokalen in Europa trafen sich damals allerhand Musiker und es kam zu Begegnungen, die im Nachhinein fast unglaublich scheinen. Ende 1960 waren wir mit den Harlem Ramblers erneut in Hamburg. Nach unserem Auftritt ging ich um Mitternacht regelmässig in den nahe gelegenen Kaiserkeller. Meine Freundin arbeitete dort an der Bar. Junge Engländer namens Silver Beatles spielten dort Stücke von Little Richard und Fats Domino zwischen den Schlammringkämpfen leicht bekleideter Damen. Das Publikum bestand fast ausschliesslich aus Seeleuten und Soldaten. Paul McCartney, John Lennon, George Harrison, Pete Best hiessen sie. Eine Frau war auch immer mit ihnen, die den Jungs ihre speziellen Frisuren verpasst hat. Die Silver Beetles haben mich auf die Bühne ans Klavier gerufen und dann gab’s unvergessliche Sessions. Früh morgens sind wir dann oft zusammen auf ein Bier gegangen und John Lennon wollte meistens noch ins Rotlichtmilieu in die Herbertstrasse … aber lassen wir das. Einer der besten und bekanntesten Jazz- und Blues-Clubs der damaligen Zeit war der vom Trompeter Ken Colyer im West End von London an der Newport Street. Er hatte dort das berühmte Studio 51. In Colyes Band spielten auch Mister Ackerbilk und Chris Barber. Ich war dort 1962 als Pausenpianist engagiert. An einem Sonntagnachmittag kamen ein paar Jungs reinmarschiert. Charly Watts kannte ich von einer früheren Begegnung in Kopenhagen. Mick Jagger, Bill Wyman und Keith Richards sah ich zum ersten Mal. Weil ihr Pianist ausgestiegen war, spielte ich dann für sie am Klavier. Später wollten sie mich gegen einen Lohn engagieren. Aber ich winkte ab, weil ich gehört hatte, dass die Jungs immer pleite waren und ich, im etwa gleichen Alter wie sie, von meinen Engagements gut leben konnte.

Im Zuge der lange anhaltenden Bekanntschaft mit den Stones, die ihren ersten Auftritt bei Ken Colyer hatten und 1962 als Band gegründet wurden, lernte ich auch Alexis Corner kennen. Er war ihr eigentlicher Förderer und damals der einzige europäische Verfechter des Blues. Dank ihm und den Stones ist der authentische Blues in den Sechzigerjahren populär geworden.

In den späten Sechzigerjahren, während dem Vietnamkrieg, habe ich in Seoul gespielt. Auch 1969. Damals wurden in Chur Dutzende von Jugendlichen wegen ein bisschen Marihuana rauchen verhaftet, in den Sennhof gesteckt und an einem Monsterprozess im Stadttheater abgeurteilt. Weil jemand bei den Verhören behauptet hat, der Fritz Trippel habe auch schon geraucht, wurde ich steckbrieflich gesucht. In Abwesenheit haben sie mich dann zu 250 Franken Busse verurteilt. Ich erzähle das, weil ich damals unbedingt auch nach New Orleans, in die Heimat des Blues, wollte. Aber diese läppische Vorstrafe hat dazu geführt, dass ich von den Amerikanern kein Visum erhalten hatte.

Die Liste von Begegnungen mit illustren Leuten und Berühmtheiten ist fast endlos. Die Party bei Frank Sinatra im Suvretta House in St. Moritz, wo ich am Klavier sass, gehört dazu, die Sessions mit Jimi Hendrix 1968 oder 1976 mit Status Quo in Zürich, die Bekanntschaften mit Hollywood-Grössen wie Yul Brynner, Orson Welles, Deborah Kerr im Privatclub Five to Five in Klosters, wo ich 1962 Hauspianist war. Unvergesslich ist auch das Engagement im Palace in Gstaad 1961, wo ich Louis Armstrong am Klavier begleiten durfte, weil sein Pianist ausgefallen war. Ich war damals 24. Satchmo nannte mich Young Blood. Das bin ich in meinem Innern immer noch. Und Blues, Jazz und Boogie, die damals und auch heute noch gespielt werden, sind es auch noch und werden immer wieder aufgefrischt – mit Young Blood.»

Fritz Trippel, dessen internationale Stationen als gefragter Pianist in Jazz- und Bluesformationen Seiten füllen würden, ist immer wieder in seine Heimatstadt Chur zurückgekehrt. U. a. war er Gründungsmitglied des Jazz Clubs Chur (1977), rief im gleichen Jahr ein Schallplatten-Label ins Leben (mit dem Zweck, jungen Bands die Möglichkeit zur Produktion von Tonträgern zu bieten), war Initiant zur Gründung des Vereins Musikszene Chur, in dessen Zusammenhang er Förderarbeit leistete, in vielen jungen Formationen spielte und mit ihnen auf Tourneen ging. 1985 wurde Trippel mit dem Kultur-Anerkennungspreis des Kantons Graubünden und 2001 mit dem Anerkennungspreis der Stadt Chur geehrt.

(Walter Schmid, Churer Magazin)

Jazzpianist «Little Fritz» Trippel gestorben

Chur hat ein Stadtoriginal und Graubünden einen namhaften Musiker verloren: Fritz Trippel ist nach einer Laufbahn auf drei Kontinenten am Mittwochmorgen 72-jährig gestorben

Fritz Trippel war gerade mal 20 Jahre alt, da spielte der als «Little Fritz» bekannte Pianist in den damaligen europäischen Jazzmetropolen Paris, Kopenhagen, London und Frankfurt. Er musizierte mit internationalen Jazzgrössen wie Louis Armstrong und den Megastars Frank Sinatra, Elvis Presley, The Beatles oder Rolling Stones.

Immer wieder lud Trippel internationale Stars nach Chur ein und sorgte insbesondere in den 60er-Jahren für unvergessliche Musikereignisse in der Alpenstadt. Mit den als «Schweizer Beatles» gehandelten Les Sauterelles feierte er einige grosse Hits,

(wie z. B. "Heavenly Club" (1968) auf welchem er Orgel und Piano spielte und im Video dazu den Teufel) 

Trippel lebte und musizierte jahrelang in Asien und wiederholt in Amerika, kehrte aber immer wieder in seine Bündner Heimat zurück. Seit den 80er-Jahren förderte er das regionale Musikleben und trat bis kurz vor seinem Tod vor allem in Graubünden und in Ascona regelmässig auf.

(Nachruf im Tages-Anzeiger, 29.07.2010)

Jazz-Pionier „Little Fritz“

Männer-Kraft und Frauen-Organisation, so wirkte die Familie Trippel. Dem real denkenden Handwerkerhaushalt entsprach es natürlich, dass der Vater von Fritzli, der schon genannte Fritz Trippel - er übernahm das Geschäft nach dem Tod unseres Grossvaters 1945 - zweifelsfrei davon ausging, dass sein Sohn Fritz, der bei seiner geschiedenen Mutter im Alexanderhof aufgewachsen war, in den frühen 1950er Jahren eine Schlosserlehre absolvieren würde. Ich erinnere mich, dass der feine und eher schmale Schlosserlehrling Fritzli mit Schrecken erleben musste, wie seine Hände beim Ordnen von alten rostigen Eisenteilen leiden mussten. Nicht selten nutzte Fritzli seine Arbeitspausen, um bei den im gleichen Areal wohnenden «ledigen» Tanten Elsa und Helena Trippel (weitere Kinder der Familie Trippel) am alten Klavier seine Spielfreude zu testen. Harte Eisenarbeit auf der einen Seite, feine kleine Knabenhände auf der anderen Seite, hatte sich Fritzli doch schon als Dreijähriger an ein Klavier gesetzt und drauflos geklimpert. Als 5-Jähriger erhielt er Klavierunterricht bei einer holländischen Klavierlehrerin im Rätushof und danach bei Armon Cantieni an der Kantonsschule. Statt Arbeit am rostigen Eisen liess Fritzli seine Finger mit einer unerhörten Leichtigkeit von Ragtime über Boogie-Woogie zum Swing und Jazz heiss und rhythmisch über die Tasten gleiten. Ein Glück: Die Eisenzeit ging schnell zu Ende. Fritz fand seine Passion beim Piano.

Der treue Churer Little-Fritz hat offensichtlich die schon in der Familie zu findende, jedoch kaum beachtete, vor allem familiär nicht besonders geachtete Internationalität aufgenommen. Ich erinnere dabei an die Geburtsstadt unseres Grossvaters Fritz Trippel: New York, an die Geburtsstadt seiner Mutter Marianne Trippel-Schrauzer: Dresden. Gab es bei seiner Mutter nicht noch eine russische Verwandtschaft? Ja, die Internationalität.

1962 wurde Fritz vom britischen Trompeter Ken Colyer im berühmten Londoner West End Studio 51 als Pausenpianist engagiert. Das war einer der besten und bekanntesten Jazz- und Blues-Clubs der damaligen Zeit. In Colyes Band spielten auch der Jazzklarinettist Mr. Acker Bilk und der Posaunist und Bassist Chris Barber. Zwischen 1969 und 1976 lebte Trippel in Bangkok und gründete dort den Jazzclub «Napoleon». Seine thailändische Frau Patsa Muktham war lange Zeit eine feste Stütze für Little Fritz. Einfach war das alles nicht. «Das hat uns gerade noch gefehlt», der Sturm der Entrüstung in der Neuen Bündner Zeitung, sage und schreibe vom 6. November 1956, richtete sich gegen den jungen Jazz-Club Chur an der Süsswinkelgasse, den heute legendären JazzKeller, «... eine Lasterhöhle in den Gemäuern unserer kleinen Stadt, die dem perversen Wahnsinn eines Rock and Rolls frönt ...». Die Schelte nützte nichts. Jazz und Rock ‚n‘ Roll setzten zum Höhenflug an. Die Churer waren von der Musik aus New Orleans und Chicago angesteckt. Bei fast allen Bands hatte Fritz Trippel wortwörtlich die Finger im Spiel. Am 20. März 2001 wurde der Verein «The Second Line» auf die Initiative von Fritz Trippel und Luigi Frangi (Noah) gegründet, um die traditionelle Jazz-, Swing- und Bluesmusik im Raum Chur und Umgebung zu pflegen. Little Fritz motivierte, förderte und unterstützte immer wieder die Jugend bei der Suche nach der verbindenden Kraft der Musik. So reiste er 1998 mit seiner Nichte Marion Pfaffen, der Tochter meiner Schwester Ursula Pfaffen-Hartmann, nach New Orleans, um mit ihr über den Umbau eines Hauses nachzudenken, das er für jugendliche Musiker gekauft hatte.

(Prof. Dr. Kristiana Hartmann, Bündner Jahrbuch : Zeitschrift für Kunst, Kultur und Geschichte Graubündens)

Erinnerungen von Andrea Engi, Kenner der Churer Jazz-Szene und SJO-Präsident

Der erste Jazz Club Chur wurde Mitte der 60er Jahre liquidiert, nachdem der damalige Kassier samt dem Clubgeld zu einem ausgedehnten Tessin-Trip verreist war.
Fritz wollte zwar 1977 Gründungsmitglied des 2. Jazz Club Chur werden, musste aber passen, weil er am Gründungsabend anderweitig ein Engagement hatte. Er gehörte vor allem in den ersten Jahren zum eisernen Bestand des neuen Jazz Club Chur und ist in dessen Register mit mehr als 30 Auftrittsabenden verzeichnet. 
In Bangkok hat Fritz während vieler Jahre eine Bar betrieben und sich dort natürlich auch als Pianist betätigt. Der damalige König Bhumibol von Thailand, ein begeisterter und durchaus beachtenswerter Saxophonist und Jazzmusiker, gehörte zu den Stammgästen und hat viele Nächte mit Fritz durchgejammt.
(Wikipedia: Bhumibol war unter anderem als Musiker, Komponist, Fotograf, Maler, Schriftsteller, Segler, Ingenieur und Funkamateur aktiv. Insbesondere galt er als leidenschaftlicher Saxophon-Spieler, der gerne mit anderen Jazzern im Palast von Bangkok spielte (so 1960 mit Benny Goodman). Etwa 40 Kompositionen sind bislang bekannt.)
Ich kann mich erinnern, dass Fritz in New Orleans eine uralte, verwahrloste, aber sehr charmante Liegenschaft gekauft hat. Er hat mir einmal entsprechende Fotos gezeigt. Er wollte sie renovieren, hatte aber zu wenig Geld. 

(Andrea Engi)

Drei Tonträger mit Kompositionen von König Bhumibol befinden sich in unserem Archiv:

„Candlelight Blues“ (2002)
„Falling Rain“ (2005)
„Candlelight Blues“ (arranged for Classical Guitar) (1999)

Weiterführende Texte

"Fritz Trippel - Wallace Bishop Trio (A Swiss-American Jazz Trio)“ von Johnny Simmen, CODA, Februar/März 1964  

Eine Kopie dieses Artikels kann bei uns gerne angefordert werden.

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Zusammengestellt von Thomas Schärer