Geburtstag im Januar

Audio

Werner «Wieni» Keller und seine «Tremble Kids»

* 29.01.1934 – † 28.12.2020

Wieni Keller, jazzbegeistert seit seiner Jugend, Gründer und Leiter der 1951 in Zürich gegründeten «Tremble Kids», widerstand allen Versuchungen, den Stil seiner Band zu ändern. Er spielte über Jahre hinweg konsequent einen swingenden Chicagostil, gemäss Duke Ellingtons Devise «It Don’t Mean A Thing if it Aint Got That Swing». Als er in den Achtzierjahren seine Band auflöste. stieg er bei den Buddha’s Gamblers ein, ging aber in den Neunzigern mit den «Tremble Kids» wieder ins Studio.

«Gutbürgerlicher» Anfang

Wienis erlernter Beruf hatte gar nichts mit Musik zu tun. Er absolvierte eine Berufslehre als Motorradmechaniker im Geschäft seines Vaters. Doch seine Affinität zum Jazz war damals schon so gross, dass er sich ein Saxofon kaufte, später kam die Klarinette dazu. Seine Fähigkeiten reichten bald aus, um in einer Tanzmusik-Band mitzuwirken. Mit dem verdienten Geld kaufte er sich jeweils eine Jazzplatte. Das war alles Musik, die ihn zum Jazz spielen mit einer Gruppe inspirierte.

In Zürich ging’s los.

Es waren alles Zürcher Kollegen, die mit Wieni zusammen die ersten  «Tremble Kids» (Zitternde Jungs) formierten; Walti Leibundgut an der Posaune, Rolf Cizmek am Bass und Erwin Meierhofer am Schlagzeug. Im Bestreben, «authentischen Jazz» zu spielen, war auch ein Banjo dabei. Doch als sie ihren Stil gefunden hatten, spielten sie mit einer Swing-Rhythmsection. Das Banjo ersetzten sie durch eine Gitarre.

Louis Armstrong, der eines der wichtigen Vorbilder von Wieni war, wechselte bereits Ende der Zwanzigerjahre das Banjo, das den rhythmischen Unterbau etwas schwerfällig machte, gegen eine Gitarre aus.

Vom Jazzkeller bis zum Grandhotel

Aber auch an einigen Festivals war Wieni mit seinen Kids vertreten. Kein Wunder, dass bekannte Jazzmusiker aus USA interessiert waren, bei Wieni einzusteigen. Halt, das alleinige Maskulinum ist nicht berechtigt. Eine Frau war auch dabei. Sogar eine berühmte : Lil Hardin-Armstrong, die sich Ende der Zwanzigerjahre ihren Platz in der Jazzgeschichte als Musiklehrerin, Pianistin und last but not least als Ehefrau von Louis Armstrong gesichert hatte.

Beim Blech waren es sogar drei Trompeter, in USA alles Spitzenmusiker der ersten Reihe. (siehe Auflistung am Ende des Beitrages.) Mit Wild Bill Davison hat Wieni im November 1950 die erste Stereosound-Jazzaufnahme gemacht. Auch später, im August 1975, hat er mit ihm zusammen aufgenommen. Allerdings unter seinem Namen.  

Vertrag mit «Columbia»

Durch das Zürcher Musikhaus Jecklin hatte Wieni guten Kontakt zu den Columbia-Leuten. Das war für die Band eine einzigartige Chance, sich sicher im Plattengeschäft zu etablieren. Dieser Schritt hat sich gelohnt. Der Publikumserfolg der «Tremble Kids» war lange Zeit sehr beachtlich.

Ende der besten «Tremble Kids»-Jahre

Vor allem in Deutschland kamen Wienis Kids z.B. in Jazzkellern und anderen weniger vornehmen Lokalen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren sehr gut an. Doch auch in «vornehmen Quartieren», z.B. in Gstaad. Das war 1962. Da gab’s im Grandhotel ein Nachmittagskonzert. Eintritt: 50 Franken. Das war damals ziemlich viel Geld. Doch das Publikum kam aus der ganzen Region, zahlte gerne und war begeistert.

Buddha’s Gamblers  

Doch als der «Rock n’Roll» und andere neue Musikarten immer mehr die Szene dominierten, entschloss sich der Bandleader Wieni Keller, das Musizieren als Profi mit den «Tremble Kids» aufzugeben, denn es wurde immer schwieriger, mit echtem Jazz Erfolg zu haben. Das hiess natürlich nicht, dass er seine Klarinette gut versorgte. Er wirkte nun bei den «Buddha’s Gamblers» mit und das machte ihm grossen Spass, da die «Gamblers» einen Stil spielten, der seiner Auffassung von gutem swingendem Jazz sehr entgegenkam. (Beachten Sie unsere Musikbeispiele: die «Tremble Kids» mit «Undecided», und «Exactly like you », aufgenommen mit den zwei Gambler-Musikern, K.T. Geier am Bass und Roberto Bossard an der Gitarre.)

Kein «dolce far niente»

Als Werner «Wieni» Keller endgültig einen Schlussstrich unter seine Musikerlaufbahn zog, hiess sein Motto durchwegs nicht «dolce far niente». Er gründete mit seiner Frau eine Firma in der Parfümeriebranche. Daneben führte er in Zürich einen Plattenladen mit breitem Sortiment an Jazz-Tonträgern.

Nach einem reich erfüllten Leben starb Wieni in Zürich am 28. Dezember 2020 nach langer Krankheit. Seine Aufnahmen sind bei uns im swissjazzorama registriert und eingereiht: 15 LPs und 7 CDs.

Sie alle spielten mit den «Tremble Kids»:

  • Trompete: Edi Jegge, Bill Coleman, Oscar Klein, Wild Bill Davison, Peter Lange, Buck Clayton
  • Posaune: Walter Leibundgut, Jim Wallace, Raymond Droz, Isla Eckinger
  • Klarinette: Werner Keller, Albert Nicholas
  • Tenorsaxofon: Bud Freeman
  • Piano: Guido Zwicky, Jeanpierre Bionda, Ola Ringstrom, Henri Chaix, Fritz Trippel, Marco Junod, Lil Hardin-Armstrong, Sammy Price
  • Gitarre: Oscar Klein, Peter Schmidli
  • Bass: Rolf Cizmek, Isla Eckinger, Hans Schläpfer, Vinzenz Kummer
  • Schlagzeug: Erwin Meierhofer, Charly Antolini, Hanspeter Giger, Rolf Rebmann, Stuff Combe, Klaus Weiss, Gregor Beck

Diese Angaben sind der Diskografie «Werner Keller & Tremble Kids» entnommen (swissjazzorama  BO 124) Künstler aus USA sind fett markiert.

Dieses Monatsportrait basiert weitgehend auf einem Interview, das ich im Frühjahr 2009 mit Werner Keller geführt habe und das im «Jazzletter» Nr. 20 erschienen ist.

                                                                                                  Jimmy T. Schmid